Es geht los. Transsibirische Eisenbahn

Es geht los.  Transsibirische Eisenbahn

Moskau Krasnojarsk 66 Stunden

3.-6.9.2018

13.10 Uhr begann unsere Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn. Ohne einen Pfiff ging es einfach los. Am überraschendsten war die Tatsache, dass niemand unsere Fahrkarten sehen wollte. Der Pass reichte aus. Eigentlich alles unspektakulär. Warten auf den Zug, einsteigen, Sachen auspacken, Bett beziehen und Toilette suchen. Ein erster Besuch beim Samowar war schon das aufregendste in den ersten zwei Stunden gewesen. Unsere unmittelbaren Bettnachbarn sind nett und hilfsbereit. Erste Lektion, wie steige ich in mein Bett richtig ein. Beim zweiten Mal klappte das immer noch nicht reibungslos. Verwundert bin ich über die Sachlichkeit in dem Großraumwaggon und der Ruhe in den ersten drei Stunden. Sind ja nur noch 63 Stunden bis zum ersten Ziel. Mein Reich im Oberstübchen ist eingeräumt. Lesen, lesen nochmals lesen wird wohl mein Programm für die nächsten Tage werden.

eisenbahn-russland

 

Nun sind es schon sieben Stunden Eisenbahnfahrt. Ich weiß garnicht, wenn ich das letzte Mal so viele Stunden auf Schienen unterwegs gewesen bin. Der Zug wurde schon mal erkundet.Den Samowar für heißes Wasser gibt es tatsächlich, zwei Toiletten werden wohl für 52 Reisende ausreichend sein müssen und eine Dusche gibt es natürlich nicht. Das Fenster lässt sich öffnen und der Speisewagen ist drei Wagen entfernt. Es gibt Bier und eine ausführliche Speisekarte mit Saftrak Frühstück und Spezialitäten wie z.B. Butterbrot. Dummerweise haben wir Brot und Wurst eingekauft, so muss der Speisewagen noch ein wenig warten.Nur ein Bier und eine Cola wurden trotzdem gezischt. Und es gibt tatsächlich nach was zu kaufen auf den Bahnsteigen. Unsere erste Pause von 26 Minuten wurde tatsächlich genutzt, um etwas zu kaufen. Einige wenige Lebensmitte, aber viel Tinef wie Armbänder und eine Riesenvase. Lernfaktor deutsches und russisches Frühstück. Finde den Unterschied.

fruehstueck-russland

Die Stimmung im Umfeld ist gut, niemand macht Krach, selbst der Zug rattert leise vor sich hin.

Die erste Nacht steht bevor.

Es ist 3.42 Uhr. Das sagt schon viel aus. Bis 2.00 Uhr schleppte sich die Nacht so dahin. An Schlafen war immer nur phasenweise zu denken. Aber es ging irgendwie, doch dann schlug die russische Wirklichkeit zu. Unsere schöne Kasanerin, die aus Weißrussland schon zwei Tage unterwegs gewesen war, stieg leider aus und das Unheil begann. Zwei sehr resolute russische Frauen sorgten erst mal für Stimmung. Die gesamte Umgebung wurde in Trab gehalten. Irgendwann war Ruhe an der weiblichen Front. Jetzt wurde gefrühstückt. Doch das war ja völlig harmlos im Vergleich zum einzigen Schnarcher im gesamten Waggon. Dumm nur, der liegt neben mir. Ohrstöpsel nicht dabei, Klopapier dachte nicht daran zu helfen und Musik auf den Ohren half nur bei sehr lauter Musik. Russische Musik half ein wenig im Wettkampf mit russischem Schnarchbär. Das Beruhigende an der Sache , ich habe immer noch 52 Stunden um mich auszuschlafen. Also kein Stress. Günter nimmt alles Weltmännisch.

guenter-schmidt-transsibirische-eisenbahn

 

Auch die längste Nacht in der Transsibirischen Eisenbahn geht einmal zu Ende. Mehr schlecht als recht habe ich geschlafen. Jammern hilft nicht, wir haben es ja so gewollt. Platzkartny wollten wir fahren, also fahren wir mit 50 an deren Reisenden im offenen Abteil durch Russland. Jeder hat trotzdem sein kleines Privatreich und wer hier keinen neuen Freunde findet, ist selber Schuld. Abends Fremde, morgens Freunde. Wann kann ich schon behaupten mit so vielen Frauen in einem Raum geschlafen zu haben. Wenn da nicht der russische Bär gewesen wäre. Günter hat natürlich ein unschlagbares Privileg, er schläft unten, das heißt er kann auf seinem Platz sitzen und auch Gäste empfangen. Kaum habe ich ihn mal allein gelassen, hat es sich schon Nadeshda aus Irkutsk eingefangen. So ist das in der Transsibirischen Eisenbahn.

russland-eisenbahn

Auf in den zweiten Tag. Nur noch 48 Stunden.

Wo kann man nach dem Frühstück wieder ins Bett gehen, na klar, in der Transsibirischen Eisenbahn. Und so schlummerte ich ein Stündchen trotz Brummattacken des russischen Schnarchbärs. Aber ich hatte einen Termin, mein erstes Frühstück im Speisewagen wartete auf mich. Für 700 Rubel (9 Euro) verputzte ich ein großes Spiegelei samt Naturkaffee und doppeletem Pfirsichsaft.Auch lernte ich ein deutsches und ein russisches Frühstück kennen. Deutsch Kaffee und Spiegelei, russisch ein Baltika 7 ein Starkbier. Zum Schluss bekam ich noch das Du von Sveta angeboten. Also wenn es irgendwo leicht ist, Frauen kennen zu lernen, dann hier und jetzt in der Eisenbahn. Ganz nebenbei stellte sich heraus, mein Frühstück war auf einmal ein Mittagessen geworden, denn wir hatten die erste Zeitzone + Zwei Stunden überschritten. So schnell kann eine Fahrt nur in der Transsibirischen Eisenbahn vonstatten gehen.

Leider ging es sehr unerfreulich weiter. Irgendetwas habe ich mir zu gezogen. Alles will wieder raus, bzw. es will nix rein. Erst wollte ich das Klo der Platzkartny gar nicht nutzen und dann sass ich im Minutentakt drauf. An Bilder machen, war gar nicht zu denken. Das Wort Speisewagen wurde verbannt aus meinem Wortschatz.

Ansonsten ist das Leben am zweiten Tag in der 3. Klasse ganz unspektakulär verlaufen. Keine Durak Spieler, keine Saufgelage und auch keine deutsch russische Verbrüderung. Die Sauberkeit in den Wagen ist überdurchschnittlich gut, auch der der Klos. Seit unser Schnarchbär ausgestiegen ist, herrscht im Wagen Nr. 17 eine himmlische Ruhe.

Der dritte Tag beginnt mit viel Schlaf und einem Mittagessen aus Soljanka und Fruchtsaft bestehend. Bis jetzt geht es mir ausgesprochen gut. Erstmals konnte ich eine Stunde lang die Landschaft betrachten. Birken, Birken und nochmals Birken ist das Ergebnis meiner Besichtigung. Unterbrochen immer wieder von Sumpflandschaft mit viel Wasser und ab und zu fliegt auch ein Dörfchen vorbei.

sibirien

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s