Am Ende Europas 27.9.2014

Der heutige Tag wurde von einer Exkursion an das Ende Europas geprägt. Mit Hilfe eines Rangers gelangte ich in einen abgesperrten Wald. Tatsächlich war der komplette Wald eingezäunt, warum das Ganze. Hunderte, wenn nicht Tausende halbwilde (Bio) Rinder und Pferde bevölkern das Delta und fressen natürlich alles, was ihnen vor die Schnauze kommt. Der Letea Wald soll sich natürlich regenerieren, das geht selbstverständlich nur ohne Rinder und Pferde. Umgeknickte Bäume und Sandwüste bestimmen den Wald . Weiter ging es an die Außengrenze Europas nach Periprava. Hier ist Europa bis auf Weiteres zu Ende. Einige Häuser, ein Fährschiff ,Kneipe und Kirche bestimmen das Erscheinungsbild. Die russisch orthodoxe Kirche von innen zu sehen, war schon die holperige Herfahrt wert. Ikonen und eine schöne Ikonostase. Das Dorf Letea wiederum wird bestimmt durch zwei lange sandige Dorfstraßen, an der sich schöne Häuser mit Abrisshäusern abwechseln. Für einen Besuch recht romantisch, so mein Gedanke, aber hier wohnen, möchte ich wohl nicht.

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Im Vogelrausch 25.9. 2014

Der dritte Tag im Donau Delta führte auf die Nordseite des Sulina Kanals. Hier hatte die alte Donau ihren ursprünglichen Verlauf. Recht breit und sehr schön anzusehen. Unser Ziel waren aber einige Seen, immer auf der Suche nach Vögel. Und gleich der erste See war ein Volltreffer. Schon von Weitem hörte ich das typische Vogelstimmendurcheinander. Und wenn es zum Orkan anschwoll, dann wusste man, jetzt war man da. Was für eine Anblick. Tausende Gänse und andere Vögel waren vor unserem Auge und unserer Linse. Aber ,so einfach war es auf gar keinen Fall , Vögel zu beobachten und gar zu fotografieren. Aber es entstand ein Jagdtrieb, der einem immer näher an die Beute herantreiben lies. Und wenn es der liebe Gott wollte, so kam man auch zu einem guten Fotoschuss. Ich hatte mit einem Pelikan Glück. Er blieb lange genug in Pose. Aber irgendwann war der ganze Pulk aufgescheucht und suchte das Weite. Und das war es dann auch mit der ganzen Vogelherrlichkeit. „Vogelbeobachtung ist wie eine Lotterie“, so unser Reiseleiter. Man wusste nie, was einem erwartete.

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Der Donau ganz nahe 24.9. 2014

Nun endlich war es soweit, meine erste Tour mit dem Kanu durch das Donau Delta startet. Mit einem zweiten Mann geht es am Morgen in die Tiefe des Gewirrs an Wasserarmen. Dank eines Reiseführers war aber die Orientierung kein Problem, ohne Reiseführer wäre es aber eins. Denn das Durcheinander der vielen Wasserarme wird doch bald unübersichtlich. Immer wieder kommen links oder rechts neue Arme oder fängt ein kleiner oder großer See an. Aber mit Guide konnte ich mich ganz der Natur widmen, zwischen mir und der Donau lag genau ein Zentimeter Plastik. Mit vielen Paddelschlägen kam die Natur immer näher. Schwäne, Kormorane, Reiher, Ibisse, Pelikane, sogar Adler waren zu bewundern. Natürlich nicht in Großaufnahme, sondern nur sekundenlang aber live und in Farbe. Der Wind zauberte kleine und große Wellen, so dass die Fahrt nie langweilig wurde. Bald kam auch noch die Sonne heraus und es wurde eine richtig gute Kanu-Tour. Immerhin 20 Kilometer . So wünsche ich mir die Begegnung mit dem Delta .

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Eine schöne Einstimmung 21.9.2014

Tulcea ist auch der Ausgangspunkt meiner zweiten Reise, denn hier traf ich auf meine Reisegruppe, bestehend aus sieben mutigen Paddlern aus ganz Deutschland zusammen. Die Stadt hat nicht nur eine Uferpromenade, eine Einkaufsstraße, einen Bauernmarkt zu bieten , auch einige schöne Museen locken. Am Anfang unserer Reise stand das Kennenlernen des Donaudeltas auf dem Programm. Und wo kann man das besser als im Donau Delta Museum. In schönen offenen Schauanlagen sah ich, was in freier Wildbahn wahrscheinlich schwer zu sehen sein wird. Pelikane und andere Delta Tiere ganz nah. Schön war die passende Geräuschkulisse dazu. Es gab aber nicht nur tote Tiere zu bestaunen, in vielen Aquarien schwammen auch lebendige Fische. Wels und Zander waren mir bisher nur von der Speisekarte bekannt. Vom Stör hatte ich natürlich schon viel gehört, aber hier schwamm er leibhaftig vor mir herum. Näher werde ich diesem König der Donau sicherlich nicht kommen.

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Zugabe Bootsfahrt ins Delta 16.9. 2014

Wenn man einmal im Donaudelta ist, so sollte ich es auch einmal hautnah erleben. Gedacht ,getan. Schnell war ein Boot samt Lenker und ein Guide gefunden. An Zielen mangelt es ebenso nicht. Das kleine Boot mehr Nussschale als Boot trug uns vier über den Sulina Kanal ins Deltagewirr hinein. Durch natürliche schnurgerade Kanäle ging es zu einem See, auf dem ich Landratte mal so richtig spürte, was die Natur so drauf hat, denn es schüttelte ordentlich. Bald ging es zu einer Fischerhütte und hier wurde es so richtig Ökotourismus. Fische ausgesucht, geschlachtet, gebraten und gegessen in einer Stunde. Frischer und besser geht’s nimmer. Geschmeckt haben sie übrigens auch. Vögel zu beobachten war Nonsens, denn es waren keine da. Ein einziger Pelikan zeigte uns seinen nassen Federn und verzog sich recht bald. Eine unendliche Naturweite verbirgt sich hinter dem Begriff Donau Delta. Ab nächste Woche tauche ich in ihm für zwei Wochen ein. Ich freue mich drauf.

Auf der Fahrt zurück aus dem Delta gab es dann doch noch Pelikane zu sehen

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Ziel das Schwarze Meer erreicht 16.9.2014

Es ist vollbracht, die letzten drei Kilometer sind auch noch geschafft worden. Eine einzige Straße führte zum Strand, links und rechts schon Einsamkeit. Am Ende lag doch so etwas wie ein Sandstrand vor mir. Schöner weicher Sand und ein unheimlich wildes Meer. Woge um Woge rauschte heran. Das Meer sagte mir unmissverständlich, hier ist Schluss mit dem Donau-Radweg 2990 Kilometer sind es bis zu diesem Punkt geworden. Acht Wochen voller Eindrücke, Gute wie Schlechte ziehen an meinem Auge noch einmal vorbei. Selbstverständlich überwiegen die Guten. Die Sonne lugte schon aus den Wolken zu mir und verabschiedete sich von meiner doch größten und längsten Radtour meines Lebens. Am Ende sind alle Pläne aufgegangen, Mann und Fahrrad sind wohlauf. Doch das Schönste ist, ich fühle mich gesund und munter. Heute Nacht konnte ich vor innerer Unruhe nicht schlafen, denn auch mein Geist begann zu realisieren. Dieses Abenteuer ist zu Ende.

Anstrengendes Rumänien 12.9.2014

Von Anfang an erwies sich der Donau Radweg in Rumänien als schwierig zu befahren. Eine Ausschilderung gibt es natürlich nicht und ohne Karte und Navi wäre ich ziemlich hilflos unterwegs gewesen. Ständig ging es die 250 Kilometer bisher hoch und wieder runter. Hoch schiebe ich oder versuche mit 6 km/h den Berg zu bezwingen. Abwärts geht es dann in wenigen Augenblicken , leider ist die nächste Bergwertung schon zu sehen. Die Dobrudscha ist halt wirklich ein bergiges Land voller Einöde aber auch mit endlosen Weinbergen. Weit blickt das Auge auf der Höhe hinab zur frei fließenden Donau. Anstrengend sind nicht nur die Berge , auch den Hunden und Menschen muss ich mich anders nähern. Die Hunde brauchen ein klares Stopp, die Kinder vor allem gehen ohne Hemmschwelle auf den Radfahrer zu und bitten, schnorren oder betteln um Geld oder Lebensmittel. Nicht immer reicht Freundlichkeit aus, sie wieder zum Gehen zu bewegen. Die Armut in den Dörfern ist zum Greifen nahe. Herrliche Weinberge grenzen an Dörfern voller verfallener Lehmhütten. Frei laufende Gänse, Ziegen und Kühe versprühen noch ein wenig den Hauch von Romantik, die Armut nicht.DSC02951